Das ist Kunst! … oder sollte das weg?

Eigentlich heißt der Spruch: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ und ist einfach nur eine vernichtende Beurteilung eines Kunstwerks, das sich scheinbar kaum von einem Haufen Schrott unterscheiden lässt. Der Legende nach, hat die Putzfrau von dem Aktionskünstler Joseph Beuys eines seiner „Kunstwerke“ für einen Abfallhaufen gehalten und es weggeschmissen.

Es ist keine Seltenheit, dass Kunstwerke berühmter Künstler versehentlich zerstört wurden. Immer wieder fallen sie Reinigungsaktionen oder Bauarbeiten zum Opfer.

Im Jahr 2005 verbrannte z.B. die Stadt Frankfurt ein Werk des Künstlers Michael Beutler. Sie hielt es für Wild-Sperrmüll. Der Leiter von „Sauberes Frankfurt“ übernahm die volle Verantwortung. Er habe die gelben Plastikteile der Skulptur für Müll gehalten.

Auch den berühmten Straßenkünstler Banksy traf es mehrmals. Die australische Stadt Melbourne übermalte ein Bild des Graffiti-Künstlers. Das war 2005, auch 2002 übermalte man im britischen Bristol eines der Werke. Und damit nicht genug. Die Ratten im Schablonenstil, die bekanntesten Werke von Banksy, fielen in Melbourne immer wieder Bauarbeiten zum Opfer. So malte Banksy die Ratten 2012, 2013 und 2016 kurzerhand nochmal.

Bei seinen Werken bedient er sich Taktiken des sogenannten Kommunikationsguerilla. Um hierbei die Ziele zu erreichen, wird gezielt auf Information oder Desinformation gesetzt. Man muss also umso kreativer werden, um sein eigenes Projekt voranzubringen. Man sollte sich eine kreative Art und Weise ausdenken, um aus der Masse herauszustechen. Nur so kann man etwas bewirken.

Das ist die Strategie der Zukunft, die im Werbedschungel Erfolg verspricht. Nur durch besonders raffiniertes Werben ist es in der heutigen Welt noch möglich, die reizüberfluteten Menschen auf die eigene Werbung aufmerksam zu machen. Die Werbung muss den Betrachter kalt erwischen. Genau das bedeutet eine Gestaltung nach der Guerilla-Taktik. Die Werbung muss überraschen, schockieren, kreativ sein oder einfach noch nie da gewesen sein. Man muss über sie nachdenken müssen – und dabei einfach gehalten sein. Nur so erzielt sie überhaupt noch einen Effekt. Alles, was nach gewöhnlicher Werbung aussieht, wird einfach ausgeblendet. Es muss nur für einen kleinen Moment fesseln. Die Botschaft muss in dem Betrachter eine positive Emotion wecken und das innerhalb von Sekunden. Gute Werbung muss aus dem Raster fallen.

Auch wir fallen aus dem Raster. Wir wecken mit unserer Werbung Emotionen. Der Betrachter muss vielleicht einen Augenblick über uns schmunzeln – dann haben wir unser Ziel erreicht. Wir bleiben im Gedächtnis und haben uns nachhaltig in den Köpfen positioniert.

Banksy möchte natürlich nicht auf seine Werbung aufmerksam machen, fällt aber deutlich aus dem Raster. Er zeigt eine alternative Sichtweise auf politische und wirtschaftliche Themen. Ob sich in diesem Fall auch ein Banksy unter den ganzen Großwerken der Graffitikünstler befindet, erfährt man wohl nur, wenn man sagt: Das ist Kunst! … Und sie bleibt da!